Scherbenvogel

Manchmal
bricht bei hellster Sonne
der Boden weg, ich falle.
In Käfigen
aus Gold und Stahl,
gefangen sind wir alle.

Manchmal
zuckt mein Seelenvogel,
verwandelt sich zu Ton.
Die Flügel starr,
fällt er zu Boden,
zerschellt auf dem Beton.

Manchmal
zähle ich die Scherben.
Sie werden wieder ganz;
Stück für Stück,
Träne für Träne,
lebendige Substanz.

Manchmal
fügt der Scherbenvogel
sich von alleine wieder.
Doch weiter fliegen
Eisenvögel
und singen Todeslieder.

Darmstadt, 24. 03. 2010

Mit diesem verbalen Destillat an Krisenbewältigung versuchte ich mich bei einem Lyrikwettbewerb. Gewonnen habe ich nicht, aber es ist trotzdem mein bestes bisher.
Einerseits würde ich gerne weitere Gedichte schreiben, andererseits wünsche ich mir die dazu gehörenden Krisen wirklich nicht noch einmal durchleben zu müssen.

Manchmal bin ich mir selbst ein Rätsel.

Tiefe
21.04.2008

Ich blicke gern in stille Wasser,
ein Rauschen nur, am Rand des See’s
und lass‘ mich von der Ruhe streicheln,
ein Echo nur, ein fernes Weh’n.

Ich fische gern in trüben Wassern.
Mal find‘ ich stille Freud‘, mal Pein.
Mal find‘ ich schreckliches Verlangen.
Es zieht mich in den Schlund hinein!

Ich steige gern in tiefe Wasser,
erforsche, was noch niemand sah.
Ich wandle auf dem Pfad der Fragen,
herauszufinden, was geschah.

Ich suche gern in kalten Wassern
Dämonen, wüst vor Angst und Schmerz.
Einst bannt‘ ich sie mit Liebeszaubern
und doch besiegten sie mein Herz.

Nun bleib‘ ich fern vom stillen Wasser.
Ich lauf‘ davon…Es folgt mir nach!
Und wieder quälen mich die Fragen:
Was wohl der Quelle Kraft einst brach?