Kurzschlüsse

(Bevor ich explodier – lass ich es lieber hier…)

Wenn Philosophie ein Orchideenfach ist, dann stinken diese Orchideen bis zum Himmel. 16022014

Der Philosoph wühlt im Abfall der Menschheit nach dem Gold der Wahrheit. 28022014

Es gibt keine bösen Hexen – nur blöde Hexen. 11032014

Du kannst gerne glauben, du könntest fliegen und glücklich sein. Bis du auf dem Boden aufschlägst, hast du ein wenig Zeit. 23032014

Wenn du mich sagen hörst: Ich will ja deine Religion nicht beleidigen, aber…     Mach lieber einen Schritt rückwärts. 07042014

Lasset alle Hoffnung fahren, die ihr einem Philosophen begegnet. 08042014

Nächstenliebe ist, wenn man tut was man kann. Liebe ist, wenn man tut was man will. 11052014

Es ist unsere erste Bürgerpflicht, alles zu tun, nur nicht das was wir SOLLEN. 24052014

Es ist verdammt verführerisch, einfach nur den Erwartungen anderer zu folgen. 08122014

TOD. Die Chaos-Chroniken

SEIN dunkles Wort in ausgewählten Redefetzen zur Erbauung.

„OH! I’VE SEEN THE INFINITE. IT’S NOTHING SPECIAL.“                           DEAD, Soul Music

„UND ICH WERDE AUCH ZUGEGEN SEIN; WENN DAS LETZTE LEBEN DEN VERBLASSENDEN GLANZ GEFRIERENDER STERNE BEKLAGT.“  TOD, Mort, 24:1

„DO YOU KNOW, THAT IN A UNIVERSE SO FULL OF WONDERS THEY HAVE MANAGED TO INVENT BORDEDOM?“ DEAD, Hogfather

Die zehn populärsten Irrtümern der Pädagogik

Vielleicht ist es aufgefallen, daß merkwürdige Ansichten über diese Welt auch in die Pädagogik Einzug gehalten haben – oder dies anstreben.
Die Zeitschrift für Pädagogik „Schule & Wir“, herausgegeben vom Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst nimmt in der aktuellen Ausgabe ein paar dieser verwirrenden Ansichten kritisch unter die Lupe.
Unter dem Kapitel: Erziehung. Die zehn populärsten Irrtümer in Pädagogik
werden Irrtümer aufgelistet und vor allem Lernmethoden genannt, für deren Erfolg bisher kein Nachweis erbracht worden ist.

1. Lerntypen
Der Lernerfolg hängt nicht vom Sinnesorgan ab, über das die Information aufgenommen wird. Es mag Vorlieben geben, die habe ich auch. Aber wenn ich etwas lernen will, dann hilft nur lesen und wiederholen, in eigenen Worten wiederholen, aufschreiben und zur Not das gute alte „Pauken“.

2. Gesamtschulen sind nicht besser als differenzierte Schulen.

3. Frontalunterricht wird zu unrecht abgelehnt.
Hier wird zu oft an langweilige Monologe gedacht, obwohl es sich einfach nur um vom Lehrer durchstrukturierte Unterrichtseinheiten handelt, mit Fragen und Antworten, Tafelbild und Üben, das ganz normale Zeug halt.

4. Die erfahrenste Lehrkraft ist nicht unbedingt die beste Lehrkraft.
Die Geschichte einer Freundin: Die Mathelehrerin weigert sich von ihrer „Das habe ich schon immer so gemacht“ – Methode abzuweichen und vergibt schlechte Noten für korrekte, weil aktuelle Rechenwege.

5. Noten sind nicht für jeden Schüler eine schlechte Bewertungsform.
Für manche können auch Bewertungen in Textform nachhaltig belastend sein.

6. Schule funktioniert doch nicht ohne Regeln.
(Whow, welche Schlaumeier haben das denn versucht?)

7. Lernen kann nicht immer nur Spaß machen.
Grandios klingende Methoden versprechen Lernerfolg ohne Mühe, meist für viel Geld. Verfahren wie „Neurolinguistisches Programmieren“ und „Edu-Kinestetik“ oder „Superlearning“ werden als nicht wissenschaftlich Fundiert (d.h. wissenschaftliche Prüfung nicht bestanden) kritisiert. Hinzu kommt eine Sache, die mir am Herzen liegt:
Wer ein Produkt (nichts anderes sind diese tollen Namen) verkaufen will, erklärt gerne jedes Kind zum potentiellen Genie, was Eltern gerne hören und dann damit ihre Kinder quälen, obwohl diese vielleicht ganz andere Talente oder Interessen haben.

8. Ein Computer kann eine echte Lehrkraft nicht ersetzen.
Ob ein Programm jemals in der Lage sein wird, eine Gruppe von Kindern individuell zu betreuen?

9. Loben ist gut, wenn es verdient ist.
Kinder sind nicht doof, sie merken es, wenn man sie nicht ernst nimmt, indem man sie ohne Grund lobt. Und die Kinder, die es nicht merken, könnten ein falsches Selbstbild entwickeln, was auch nicht so gesund ist.
(Ich kenne einen hyperaktiven Staplerfahrer, der sich für hochbegabt hält. Wahrscheinlich, weil er mit geschlossenen Augen durch das Lager sausen kann – noch ist nichts passiert…)

10. Sitzenbleiben ist nicht so schlimm, wenn es bei einem Mal bleibt.
Schlimm sind die Vorurteile, die sich damit verbinden.

Link zum E-Paper: http://www.km.bayern.de/epaper/SUW%202014-I/index.html#4/z„Schule & Wir“

Scherbenvogel

Manchmal
bricht bei hellster Sonne
der Boden weg, ich falle.
In Käfigen
aus Gold und Stahl,
gefangen sind wir alle.

Manchmal
zuckt mein Seelenvogel,
verwandelt sich zu Ton.
Die Flügel starr,
fällt er zu Boden,
zerschellt auf dem Beton.

Manchmal
zähle ich die Scherben.
Sie werden wieder ganz;
Stück für Stück,
Träne für Träne,
lebendige Substanz.

Manchmal
fügt der Scherbenvogel
sich von alleine wieder.
Doch weiter fliegen
Eisenvögel
und singen Todeslieder.

Darmstadt, 24. 03. 2010

Mit diesem verbalen Destillat an Krisenbewältigung versuchte ich mich bei einem Lyrikwettbewerb. Gewonnen habe ich nicht, aber es ist trotzdem mein bestes bisher.
Einerseits würde ich gerne weitere Gedichte schreiben, andererseits wünsche ich mir die dazu gehörenden Krisen wirklich nicht noch einmal durchleben zu müssen.

Tante Hilde macht sich Sorgen. Heute:

Verstehen braucht eben Zeit!

Ich bin etwas verunsichert, welche Zielgruppe mein Geschreibe so anspricht, aber das ist für den Entstehungsprozess eines Textes auch erst Mal unwichtig. Zwar interessant zu beobachten, aber ich genieße die Freiheit, einfach das aufzuschreiben, was mein wirres Hirn so kombiniert.

Nun gut, ich kann nicht erwarten, daß jeder das versteht. Eine enttäuschende Beobachtung kann ich allerdings nur schwer verdauen:
Immer öfter fällt mir auf, daß nur ganz wenige Menschen mit Doppeldeutigkeiten und Mehrdeutigkeiten zurecht kommen, geschweige denn mit Ironie.
(Bestimmt habe ich das schon an anderer Stelle gesagt, aber die einzige Methode, die mir momentan am sinnvollsten erscheint ist:
Wiederholen!Wiederholen!Wiederholen!)

Ausserdem habe ich überhaupt keine Lust, meine kunstvoll gestrickten Texte zu erklären, nur weil einige Leutchen kleine Feinheiten überlesen. Ich diskutiere sehr gerne über Unklarheiten, das ist kein Problem. Ich freue mich über andere Meinungen und lasse mir gerne meine Fehler aufzeigen.
Wenn aber Leute einfach mal ein Satzzeichen übersehen und mir aus einer Frage eine Aussage machen, darf ich das ja wohl doof finden.
Noch besser sind Halbleser, die sich aber auf Grund eines überflogenen Textes für Urteilsfähig halten. Die besten Beispiele sind die berühmten Youtube-Kommentare, die immerhin schon so negativ als Blödsinn aufgefallen sind, daß es mich schon wieder ein bisschen beruhigt.

Dieser Trend des „überfliegenden“ Lesens behagt mir ebenfalls nicht. Wie soll da eine sinnvolle Kommunikation stattfinden? Wie sollen wir uns denn so verstehen? Sind wir nicht mehr in der Lage, unsere Aufmerksamkeit für eine begrenzte Zeit auf eine Sache zu richten?
Dieses Verhalten dürfte mit verantwortlich sein für die ‚Verblödung‘, die meiner Meinung nach um sich greift.

Hinzu kommt die fatale Gewöhnung daran, Alles auf dem Silbertablett serviert zu bekommen. Als wären wir nicht gerade heutzutage leicht in der Lage uns über einigermaßen sichere Quellen im Internet zusätzliche Informationen anzueignen. Forschungsinstitute arbeiten öffentlich und für einfache Grundlagen reicht schon Wikipedia und der Blick in ein Lexikon hat auch noch keinem geschadet.

Nein! Ich möchte niemand beschuldigen. Höchstens unsere menschliche Natur, die uns zu Gewohnheitstieren macht. Wir alle und unsere Vorgänger haben Umstände und Systeme erschaffen, die uns mittlerweile mit Ablenkung und zielloser Beschäftigung bis zur Erschöpfung antreiben und uns bleibt immer weniger Zeit zum Reflektieren und Überprüfen.
Das schleichende Gefühl von Sinnlosigkeit, Ziellosigkeit und Orientierungslosigkeit wird sehr leicht und schnell durch die nächste Ablenkung unterdrückt.

Wehrt Euch dagegen! Geht den Dingen auf den Grund!
Lasst Euch mehr Zeit – bei Allem!

Manchmal bin ich mir selbst ein Rätsel.

Tiefe
21.04.2008

Ich blicke gern in stille Wasser,
ein Rauschen nur, am Rand des See’s
und lass‘ mich von der Ruhe streicheln,
ein Echo nur, ein fernes Weh’n.

Ich fische gern in trüben Wassern.
Mal find‘ ich stille Freud‘, mal Pein.
Mal find‘ ich schreckliches Verlangen.
Es zieht mich in den Schlund hinein!

Ich steige gern in tiefe Wasser,
erforsche, was noch niemand sah.
Ich wandle auf dem Pfad der Fragen,
herauszufinden, was geschah.

Ich suche gern in kalten Wassern
Dämonen, wüst vor Angst und Schmerz.
Einst bannt‘ ich sie mit Liebeszaubern
und doch besiegten sie mein Herz.

Nun bleib‘ ich fern vom stillen Wasser.
Ich lauf‘ davon…Es folgt mir nach!
Und wieder quälen mich die Fragen:
Was wohl der Quelle Kraft einst brach?

Tante Hilde macht sich Sorgen. Heute über:

Das pandemische Potential von Halbvögeln
Können Engel Vogelgrippe verbreiten?
Oder: Werden die gelben Engel zur gelben Gefahr?

Einleitung:

Der vorliegende Essay entstand im Zuge der neuen Methode der Interdisziplinären Zusammenarbeit der Fachbereiche Philosophie, Medizin und Wortakrobatik. Die Autorin ist in allen drei Bereichen gutgelaunt umhergewandert und konnte feststellen, daß eine einzelnde Disziplin die Frage nicht befriedigend beantworten kann.

Die Philosophie lehrt uns folgendes: Wir dürfen nicht aufhören, uns auch die einfachsten Fragen immer wieder neu zu stellen.
Die Medizin hat die Überbevölkerung und die steigende Resistenz von infektiösen Keimen im Blick und fordert daher eine genauere Untersuchung des Themas. Die Wortakrobatik erfüllt bei der Gestaltung und Kommunikation der Dringlichkeit der Sache ihre Aufgabe.
Es war also überhaupt kein Problem, die sich sonst wie Hund und Katz gebärdenden Disziplinen unter einem Flügel zu vereinen. (Nein, ein Klavier war dazu nicht notwendig. Ein Keyboard oder zwei, das reicht völlig. Man muss es nicht immer übertreiben.)
Der einzige Vorwurf, den sich die Autorin gefallen lassen muss, ist, daß sie selbst keine direkte Erfahrung mit Halbvögeln hat, obwohl sie dies mit allen ihr zur Kenntnis gebrachten Mitteln versucht hat. Gegen den Vorwurf steht allerdings die damit eingehaltene wissenschaftliche Objektivität, was die Qualität der vorliegenden Arbeit eher stärkt und nicht schmälert.

Was sind Engel und spielt das Geschlecht eine Rolle für das pandemische Potential?

Wir sprechen hier nicht – das ist so eine schöne Tradition in wissenschaftlichen Arbeiten, daß man immer auch dazu schreiben muss, worüber man nicht sprechen will; und mit dieser Tradition traue selbst ich mich nicht zu brechen, denn Rache ist auch so eine Tradition, die mit dem Schicksal im Bunde steht und das Schicksal spricht gar nicht – es handelt!
Also: wir sprechen hier nicht von irgendwelchen kleinen, kitschigen Dekofigürchen, die mit himmlisch-steifem Lächeln sogar Staubgeriesel ertragen können, sondern von den echten Engeln! Die großen mit lähmender Lightshow, schwingenden Schwingen und markerschütternder Megaphonstimme.
In der Fachliteratur werden sie als Halbwesen dargestellt, halb Mensch und halb Vogel. Man weiß zwar, daß sie menschliche Gesichter und Flügel haben, aber der restliche Körper ist immer in Bettlaken gehüllt. Wir können also etwaige Vogelmerkmale an anderen Körperstellen leider nicht nachprüfen und beschränken uns daher bei der vorliegenden Arbeit auf die Flügel als Merkmal für das Keimträgerpotential.
Da wir es allerdings mit Mischwesen zu tun haben, können wir die Wechselwirkungen zwischen den zwei Hälften nicht ausser Acht lassen. So wird der Vogelanteil garantiert in ihrer Küche nach dem Dosenmais schielen und der menschliche Anteil wird nachher garantiert über die Farbe ihrer Vorhänge und die Baumarktbilder an der Wand lästern.
Das klingt schon irgendwie nach einem weiblichen Halbvogel, oder? Auf den ersten Blick kann das durchaus als aus der Luft gegriffen erscheinen, aber es gibt handfeste Gründe dafür, von einem weiblichen Geschlecht bei Engeln auszugehen.
Zum einen haben sie keinen eigenen Willen, was sie zu zuverlässigen Botschafterinnen macht.
Die kannst‘ schicken – sozusagen.
Bei den alten Ägyptern zum Beispiel, waren die Engelsfiguren eindeutig weiblich, und die haben viel mehr gewusst als wir heutzutage. Schließlich haben sie die Pyramiden gebaut und waren wahrscheinlich schon längst auf dem Mars. Ausserdem kannten sie keine Vogelgrippe. Das überzeugt.
Die Idee von Engeln als hübsche Knaben findet sich erst in der viel später entstandenen Bibel, in welcher die Halbvögel mit Frauen vögeln. Dafür landeten sie in der Hölle, wurden gerupft und flambiert und nennen sich jetzt ganz lässig Dämonen. Wenn der Grillmeister allerdings nicht höllisch aufpasst, verbrennt zu viel von dem feinen Stoff der Feinstofflichen und die armen müssen als Dementoren in verkohlten Lappen kleine Kinder erschrecken oder an ihnen saugen. Mit vögeln geht da überhaupt nichts mehr. Kein Wunder, daß die so frustriert und aggressiv sind. Das bestätigt uns jeder Arzt und Psychologe: Triebunterdrückung macht grundsätzlich neurotisch oder sonstwie krank.
Noch später gab eine Zeit in Europa, in welcher die Christenheit von männlichen Engeln besucht wurde. Die Folgen davon kennen wir alle: Pest und Cholera. Und rätselhaft uneheliche Kinder, damals als ‚Kegel‘ bezeichnet, bekannt aus der Redewendung: „Mit Kind und Kegel.“
Ausserdem werden Engel querbeet durch alle antiken und modernen Fachpublikationen als ‚per se vernünftig‘ beschrieben.
Das heißt, sie können gar keinen Mist anstellen, selbst wenn sie wollten, was sie nicht können. Sie sind also ‚finegetuned‘ wie unser Universum, welches sie gar nicht betreten könnten, wenn es anders wäre.
Aus medizinischer Sicht bedeutet dies erstens: Engel erkranken nicht selbst an der Krankheit.
Zweitens: sie achten auf Hygiene, waschen sich die Hände und putzen sich die Flügel. Die Wahrscheinlichkeit dafür sinkt mit männlichem Geschlecht erheblich. Putzen ist ein eindeutig weiblicher Trieb. Sollten Männer davon betroffen sein, so weisen sie auch sonst einen eher weiblichen Habitus auf, aber das nur so am Rande.
Da nun hauptsächlich ältere Frauen von Engeln besucht werden, müsste deren Sterblichkeit viel höher sein, wenn es männliche Engel wären. Ist sie aber nicht. Frauen leben viel länger als Männer.
Heutige Engel sind also weiblich, quot erat demonstrierat (wie der Bayer sagen würde).
Sollten sie trotzdem männliche Engel sehen, lassen sie sich bitte auf Wahrnehmungsstörungen untersuchen, wobei die bereits erwähnten sexuellen Defizite auch eine Rolle spielen könnten. Wichtig ist aber: ihnen kann geholfen werden, sie sind damit nicht allein!

Wie ist eine Keimübertragung von einem feinstofflichen Halbvogel auf einen Menschen überhaupt erklärbar?

Dieser Abschnitt wirft ein großes Problem auf: Viren sind nachweisbar, Engel nicht!
Wir können also die Anwesenheit der Keime erst feststellen, wenn sie schon im menschlichen Körper sind und das ist ein bisschen spät.

Hier greift der gewiefte Philosoph zur äußerst hilfreichen, weil so vielfältigen Quantentheorie.
Sie beruht schließlich auf Experimenten mit Licht. Da Engel nun mal ihres Wesens nach Lichtwesen sind, kann man auf Grund der Konstantheit der Interaktionen von Energie (in allen Varianten) mit den Naturgesetzen davon ausgehen, daß ihr Verhalten dem des Lichtes entspricht. Engel können schließlich nicht renitent sein. Sie haben vernünftig sein zu wollen, ob sie wollen oder nicht. Weil sie so sind. Punkt.
Das Gesetz zur Erhaltung des Irrsinns schreibt uns schließlich und unumgänglich vor, immer zu der neuesten naturwissenschaftlichen Theorie zu greifen, wenn phantasievolle Phänomene nach Erklärung schluchzen.
Schließlich wird unter dem quantentheoretischen Ansatz sogar das sonst so bedrohliche Irrationale möglich und vor allem berechenbar.
Ein weiterer Grund für die Anwendung dieser Theorie ist schlichtweg ihre Beliebtheit im breiten Publikum. Endlich wurde eine Theorie erfunden, die niemand versteht. Auch ihre Erfinder nicht. Man registriert eine allgemeine Erleichterung in der Masse, welche schwere Zuneigung aufwallen lässt und der traditionellen Gottesplantheorie ernsthafte Konkurrenz androht.
(Eine kleine Gruppe von avantgardistischen Denkern im Untergrund des kopfstehenden Elfenbeinturms entwickelten als Erklärung der Quantentheorie den irritierenden Ansatz der „Nullahnung“. Sie sprechen aber nur flüsternd darüber.)

Untersucht man die Interaktionen zwischen Mensch und Halbvogel in thematisch relevanten Berichten, so stellen wir fest, daß beim Kontakt mit Engeln die Augen der potentiellen Opfer durchweg geschlossen sind. Untersucht wurden dazu sowohl alte Schriften verschiedener Religionen als auch moderne Channelingberichte.
Solange der Mensch also die Augen geschlossen hält, passiert gar nichts. Der Engel verharrt in seinem feinstofflichen Zustand und redet seitenweise wirres Zeugs. Würde der Mensch die Augen öffnen und damit zu einem Beobachter werden, tritt automatisch der Schrödinger-Effekt auf und der Engel ist gleichzeitig Vogel und Engel und wird für Menschen als Keimträger gefährlich.
(Wir können sicher sein, daß der Engel, welcher Maria einst erschien, von ihr doch angeschaut wurde und dieser folglich in halbvögelhaftem Zustand mehr als nur Keime auf die junge Frau übertrug. Leider ist bis heute nicht feststellbar, wie weit sie sich einander näherten. Für eine Quantenteleportation währen mindestens etwa 20cm notwenig gewesen.)
Dabei scheinen sich Partikel zu verdoppeln und an mehreren Orten gleichzeitig zu sein. Das Virus erscheint also plötzlich in ihrem eigenen Magen-Darm-Trakt, bleibt aber erst einmal feinstofflich. Die Gefahr materialisiert sich allerdings sofort in dem Moment, in dem der Mensch verlegen an sich hinunter schaut, ob Fussel oder Flecken die eigene Kleidung vor dieser blendend strahlenden Erscheinung verunstalten.
Die Ansteckungsgefahr wäre hingegen stark reduziert, wenn man stattdessen den Blick auf die Kleidung des Lichtwesens richtete, um diese auf eventuelle Grauschleier zu untersuchen, mit bereitgehaltener Waschmittelempfehlung, versteht sich.


Wo und wie kann es zu Kontakten zwischen Halbvogel und Mensch kommen?

Bedingungen für Kontakt und Prävention für jede Situation

Laut WHO erfolgt eine Ansteckung mit dem Vogelgrippevirus durch Kontakt mit Blut und Kot von befallenen Tieren. Man erfährt hier auch, daß dieses Virus die unteren Atemwege befällt und damit auch dann Gefahr besteht, wenn man herzhaft angehustet wird. Dies alles betrifft Vögel, also Vollvögel.
Auf den Umgang mit den Feinstofflichen Sekreten von Halbvögeln gehen wir im folgenden näher ein. Es bestehen Ähnlichkeiten, wobei die Gleichung um den Faktor Feinstofflichkeit erweitert und die Gefahrensumme dann halbiert werden muss.

Welche Orte gilt es besser zu meiden oder wo sind besondere Vorsichtsmaßnahmen geboten?
Besonders gefährlich sind Bereiche, in denen Keimträger in größerer Anzahl auftreten. Von Engelscharen dürfte jeder gehört haben. Des weiteren weiß man, daß Vögel gerne im Vorbeiflug etwas fallen lassen. Die Gefahr lauert also über uns.
Meiden sie also Orte wie Wolke7, das Himmelreich und ganz besonders Weihnachtsmärkte! Die sind richtig gefährlich. Durch glühweiseliges Gesinge und Bratwurstgestank ist es praktisch unmöglich den feinstofflichen Flügelschlag der Keimträger zu bermerken und sich rechtzeitig unter ein Budendach zu flüchten. Ein Notfallset aus einem Filzhut und einer darin eingewickelten Wodkaflasche ist für solche Gelegenheiten absolut empfehlenswert.
Wenn es dann passiert ist; wenn sie ein unverwechselbares, weiches Aufklatschen auf ihrer Schulter gespürt haben, wird folgende Handlungsweise angeraten:

1. Ruhe bewahren!
2. Augen schließen.
3. Wodkaflasche zur Hälfte austrinken.
4. Jacke ausziehen.
5. Restlichen Wodka darüber gießen.
6. Suchen sie die große Tanne – auf solchen Märkten steht die immer irgendwo.
7. Tanne anzünden und Jacke reinwerfen.

Ein solch großes Feuer dürfte ausreichen, um alle Keime zu vernichten. Umstehende Teilnehmer dürften sich zusätzlich über die unerwartete Wärme freuen. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk werden von sich aus auf sie zu kommen, um sich über die gelungene Pandemieeindämmung zu informieren. Vergessen sie nicht, auf die wertvollen Erfahrungen und weiterführende Tips der Kirchen vor Ort hinzuweisen, welche an diesen Veranstaltungen schließlich mit beteiligt sind.
A propos Kirchen. Kirchen sind völlig ungefährlich. Der ewig gleiche Kirchenweihrauch ist sowas von out und die heftigen Schallwellen der Glocken haben ziemlich zerfetzende Auswirkungen auf die feinstofflichen Frisuren! Locken ohne Halt und Schwung? Das hält doch kein Engel aus! Die modernen Engel hängen längst in Esoterikshops herum, wo sie bei zarten Klängen die abwechslungsreichen Duftkreationen der neuesten Räuchermischungen genießen. Wenn sie also unbedingt dahin möchten, nehmen sie sich bitte unterwegs die Zeit, ordentlich zu tanken.

Richtiges Verhalten beim Channeling:
In heutiger Zeit betreten Engel unsere Dimension durch so genannte Channels, also Kanäle. Diese modernste Technik im interdimensionalen Kommunikationsbereich wird als Channeling oder Kanalisieren bezeichnet. Dazu können verschiedene Substanzen benutzt werden. Davon scheint Alkohol die beliebteste und nützlichste zu sein. Allerdings muss es schon ordentlich drehen, um genügend meditative Gravitation zu erzeugen, damit das Raumzeitkontinuum sich punktuell um sich selbst wickelt und einen genügend großen Kanal entstehen lässt, wo ein großer Engel mit einer großen Botschaft durchpasst.
Mit Bier passiert leider gar nichts, sowas überlässt man lieber Leuten, die das Wort „Stringtheorie“ mit bierenster Mine aussprechen können. Vielleicht ginge es mit Pilz – nun gut, viel eher ein paar Pilze. Leider gerät damit die Öffnung viel zu klein und es kommen nur winzig kleine Höllenkreaturen durch, die einem die Schleimhäute zerstören und die Zähne ausfallen lassen. Ausserdem verliert man dadurch den Bezug zur Realität, und das wollen wir auf keinen Fall!
Uns geht es hier vor allem um funktionale Hygiene und da ist Alkohol in Form von Doppelherz und Klosterfrau hervorragend geeignet. Man baut in den Kanal quasi gleichzeitig mit dem Öffnungsprozess eine Desinfektionsanlage ein.
Man beachte bei der Methode, den Kanal nicht zu voll zu haben, sonst kommt da gar nichts mehr durch. Das arme Wesen könnte in AsbachUralt ersaufen oder an TropfenInNuss qualvoll ersticken. Ausserdem könnte es passieren, daß der
Magen sich wehrt und der Mensch kotzend über der Kloschüssel landet, und das ist auf jeden Fall der falsche Kanal.

Präventive Möglichkeiten – Zusammenfassung:
Die Liste für Hosentasche

1. Auf Distanz bleiben.
2. Schnaps saufen.
3. Nicht hinschaun.
(Wenn man die Augen aus Versehen dann doch öffnet, dann bitte wenigstens den Anderen immer schön im Blick behalten, was auch in anderen Situationen hilfreich sein kann.)
4. Engel mit Schal und roter Nase grundsätzlich zurückschicken.
5. Engel keinesfalls küssen, man weiß nie, ob der nicht vorher gehustet hat!
6. Engel nicht die eigene Toilette benutzen lassen.
7. Baden in Klärwerkbecken auch bei größter Hitze vermeiden.

Sollten sich durch die Anwendung der Quantentheorie Widersprüche ergeben, verwenden Sie bitte ersatzweise die Chaostheorie. Man weiß ja, daß so ein Flügelschlag zu allem fähig ist. Für die Anhänger dieser Erklärung empfielt es sich, dem Engel auf jeden Fall prophylaktisch die Flügel zu entfernen. Dazu benutzen sie bitte eine multidimensionale Axt, um auch wirklich sicher zu sein.

Fazit und Weiterführende Fragen
Eine weitere unumgängliche Tradition in der Wissenschaft.

Hat Gott uns überhaupt noch etwas wichtiges zu sagen, was den Einsatz von Engeln notwendig macht?
Und wenn ja, warum landen diese göttlichen Botschaften immer bei irgendwelchen Muttis im Spitzendeckchenzimmer mit Pastelltischdecke und kreischrosa Blumengesteck mit Glitzerzeugs?
Welche Schlüsse lässt diese Schieflage auf den Absender der Botschaften zu?
Wenn es wichtige Botschaften gibt, dann sollten die doch auch bei wichtigen Leuten landen. Bei solchen, die weitreichende Entscheidungen treffen wie die FIFA, der Vatikan, Putin oder Ratingagenturen – oder wenigstens die Mutti im Kanzlerinnenamt. Dann nähme die Pandemie wenigstens schon mal eine sinnvolle Richtung.
Aber nein! Es wird fröhlich weiter gesendet! Die Botschaften ähneln sich wie bei einem Radiosender, bei dem nur eine Playbackschleife läuft, der Moderator durch ein freundliches Computerprogramm ersetzt wurde und ab und zu die Staumeldungen eingeblendet werden.
Wir können daher wissenschaftlich fundiert prognostizieren, daß in Zukunft weiterhin mit verzweifelten Briefen engelsgeplagter Legastheniker zu rechnen sein wird, die mit den unheilschwangeren Worten in prophetisch angemessenen Großbuchstaben beginnen: „AN DIE FÜRER DER NATIONEN !!111“

So rufe ich denn dem Absender der Botschaften mit Goethes Prometheus zu:
„Bedecke deinen Himmel, Zeus
Mit Wolkendunst,
Und übe …“ – das Klappehalten!