Scherbenvogel

Manchmal
bricht bei hellster Sonne
der Boden weg, ich falle.
In Käfigen
aus Gold und Stahl,
gefangen sind wir alle.

Manchmal
zuckt mein Seelenvogel,
verwandelt sich zu Ton.
Die Flügel starr,
fällt er zu Boden,
zerschellt auf dem Beton.

Manchmal
zähle ich die Scherben.
Sie werden wieder ganz;
Stück für Stück,
Träne für Träne,
lebendige Substanz.

Manchmal
fügt der Scherbenvogel
sich von alleine wieder.
Doch weiter fliegen
Eisenvögel
und singen Todeslieder.

Darmstadt, 24. 03. 2010

Mit diesem verbalen Destillat an Krisenbewältigung versuchte ich mich bei einem Lyrikwettbewerb. Gewonnen habe ich nicht, aber es ist trotzdem mein bestes bisher.
Einerseits würde ich gerne weitere Gedichte schreiben, andererseits wünsche ich mir die dazu gehörenden Krisen wirklich nicht noch einmal durchleben zu müssen.

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