Die zehn populärsten Irrtümern der Pädagogik

Vielleicht ist es aufgefallen, daß merkwürdige Ansichten über diese Welt auch in die Pädagogik Einzug gehalten haben – oder dies anstreben.
Die Zeitschrift für Pädagogik „Schule & Wir“, herausgegeben vom Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst nimmt in der aktuellen Ausgabe ein paar dieser verwirrenden Ansichten kritisch unter die Lupe.
Unter dem Kapitel: Erziehung. Die zehn populärsten Irrtümer in Pädagogik
werden Irrtümer aufgelistet und vor allem Lernmethoden genannt, für deren Erfolg bisher kein Nachweis erbracht worden ist.

1. Lerntypen
Der Lernerfolg hängt nicht vom Sinnesorgan ab, über das die Information aufgenommen wird. Es mag Vorlieben geben, die habe ich auch. Aber wenn ich etwas lernen will, dann hilft nur lesen und wiederholen, in eigenen Worten wiederholen, aufschreiben und zur Not das gute alte „Pauken“.

2. Gesamtschulen sind nicht besser als differenzierte Schulen.

3. Frontalunterricht wird zu unrecht abgelehnt.
Hier wird zu oft an langweilige Monologe gedacht, obwohl es sich einfach nur um vom Lehrer durchstrukturierte Unterrichtseinheiten handelt, mit Fragen und Antworten, Tafelbild und Üben, das ganz normale Zeug halt.

4. Die erfahrenste Lehrkraft ist nicht unbedingt die beste Lehrkraft.
Die Geschichte einer Freundin: Die Mathelehrerin weigert sich von ihrer „Das habe ich schon immer so gemacht“ – Methode abzuweichen und vergibt schlechte Noten für korrekte, weil aktuelle Rechenwege.

5. Noten sind nicht für jeden Schüler eine schlechte Bewertungsform.
Für manche können auch Bewertungen in Textform nachhaltig belastend sein.

6. Schule funktioniert doch nicht ohne Regeln.
(Whow, welche Schlaumeier haben das denn versucht?)

7. Lernen kann nicht immer nur Spaß machen.
Grandios klingende Methoden versprechen Lernerfolg ohne Mühe, meist für viel Geld. Verfahren wie „Neurolinguistisches Programmieren“ und „Edu-Kinestetik“ oder „Superlearning“ werden als nicht wissenschaftlich Fundiert (d.h. wissenschaftliche Prüfung nicht bestanden) kritisiert. Hinzu kommt eine Sache, die mir am Herzen liegt:
Wer ein Produkt (nichts anderes sind diese tollen Namen) verkaufen will, erklärt gerne jedes Kind zum potentiellen Genie, was Eltern gerne hören und dann damit ihre Kinder quälen, obwohl diese vielleicht ganz andere Talente oder Interessen haben.

8. Ein Computer kann eine echte Lehrkraft nicht ersetzen.
Ob ein Programm jemals in der Lage sein wird, eine Gruppe von Kindern individuell zu betreuen?

9. Loben ist gut, wenn es verdient ist.
Kinder sind nicht doof, sie merken es, wenn man sie nicht ernst nimmt, indem man sie ohne Grund lobt. Und die Kinder, die es nicht merken, könnten ein falsches Selbstbild entwickeln, was auch nicht so gesund ist.
(Ich kenne einen hyperaktiven Staplerfahrer, der sich für hochbegabt hält. Wahrscheinlich, weil er mit geschlossenen Augen durch das Lager sausen kann – noch ist nichts passiert…)

10. Sitzenbleiben ist nicht so schlimm, wenn es bei einem Mal bleibt.
Schlimm sind die Vorurteile, die sich damit verbinden.

Link zum E-Paper: http://www.km.bayern.de/epaper/SUW%202014-I/index.html#4/z„Schule & Wir“

Scherbenvogel

Manchmal
bricht bei hellster Sonne
der Boden weg, ich falle.
In Käfigen
aus Gold und Stahl,
gefangen sind wir alle.

Manchmal
zuckt mein Seelenvogel,
verwandelt sich zu Ton.
Die Flügel starr,
fällt er zu Boden,
zerschellt auf dem Beton.

Manchmal
zähle ich die Scherben.
Sie werden wieder ganz;
Stück für Stück,
Träne für Träne,
lebendige Substanz.

Manchmal
fügt der Scherbenvogel
sich von alleine wieder.
Doch weiter fliegen
Eisenvögel
und singen Todeslieder.

Darmstadt, 24. 03. 2010

Mit diesem verbalen Destillat an Krisenbewältigung versuchte ich mich bei einem Lyrikwettbewerb. Gewonnen habe ich nicht, aber es ist trotzdem mein bestes bisher.
Einerseits würde ich gerne weitere Gedichte schreiben, andererseits wünsche ich mir die dazu gehörenden Krisen wirklich nicht noch einmal durchleben zu müssen.

Tante Hilde macht sich Sorgen. Heute:

Verstehen braucht eben Zeit!

Ich bin etwas verunsichert, welche Zielgruppe mein Geschreibe so anspricht, aber das ist für den Entstehungsprozess eines Textes auch erst Mal unwichtig. Zwar interessant zu beobachten, aber ich genieße die Freiheit, einfach das aufzuschreiben, was mein wirres Hirn so kombiniert.

Nun gut, ich kann nicht erwarten, daß jeder das versteht. Eine enttäuschende Beobachtung kann ich allerdings nur schwer verdauen:
Immer öfter fällt mir auf, daß nur ganz wenige Menschen mit Doppeldeutigkeiten und Mehrdeutigkeiten zurecht kommen, geschweige denn mit Ironie.
(Bestimmt habe ich das schon an anderer Stelle gesagt, aber die einzige Methode, die mir momentan am sinnvollsten erscheint ist:
Wiederholen!Wiederholen!Wiederholen!)

Ausserdem habe ich überhaupt keine Lust, meine kunstvoll gestrickten Texte zu erklären, nur weil einige Leutchen kleine Feinheiten überlesen. Ich diskutiere sehr gerne über Unklarheiten, das ist kein Problem. Ich freue mich über andere Meinungen und lasse mir gerne meine Fehler aufzeigen.
Wenn aber Leute einfach mal ein Satzzeichen übersehen und mir aus einer Frage eine Aussage machen, darf ich das ja wohl doof finden.
Noch besser sind Halbleser, die sich aber auf Grund eines überflogenen Textes für Urteilsfähig halten. Die besten Beispiele sind die berühmten Youtube-Kommentare, die immerhin schon so negativ als Blödsinn aufgefallen sind, daß es mich schon wieder ein bisschen beruhigt.

Dieser Trend des „überfliegenden“ Lesens behagt mir ebenfalls nicht. Wie soll da eine sinnvolle Kommunikation stattfinden? Wie sollen wir uns denn so verstehen? Sind wir nicht mehr in der Lage, unsere Aufmerksamkeit für eine begrenzte Zeit auf eine Sache zu richten?
Dieses Verhalten dürfte mit verantwortlich sein für die ‚Verblödung‘, die meiner Meinung nach um sich greift.

Hinzu kommt die fatale Gewöhnung daran, Alles auf dem Silbertablett serviert zu bekommen. Als wären wir nicht gerade heutzutage leicht in der Lage uns über einigermaßen sichere Quellen im Internet zusätzliche Informationen anzueignen. Forschungsinstitute arbeiten öffentlich und für einfache Grundlagen reicht schon Wikipedia und der Blick in ein Lexikon hat auch noch keinem geschadet.

Nein! Ich möchte niemand beschuldigen. Höchstens unsere menschliche Natur, die uns zu Gewohnheitstieren macht. Wir alle und unsere Vorgänger haben Umstände und Systeme erschaffen, die uns mittlerweile mit Ablenkung und zielloser Beschäftigung bis zur Erschöpfung antreiben und uns bleibt immer weniger Zeit zum Reflektieren und Überprüfen.
Das schleichende Gefühl von Sinnlosigkeit, Ziellosigkeit und Orientierungslosigkeit wird sehr leicht und schnell durch die nächste Ablenkung unterdrückt.

Wehrt Euch dagegen! Geht den Dingen auf den Grund!
Lasst Euch mehr Zeit – bei Allem!